Eine Tasse frisch gebrühter Kaffee am Morgen ist für viele Menschen ein gängiges Ritual. Doch je höher das Alter, umso weniger Genießer können das enthaltene Koffein verarbeiten. Verzichten muss auf die gebrühte Bohne allerdings niemand.

Kaffee ohne Koffein – eine Alternative die schmeckt

Unverträglichkeiten äußern sich in vielen Fällen in zu hohem Blutdruck oder akuten Herzrasen. In Kombination mit den enthaltenen Bitterstoffen entwickeln die betroffenen Personen ein beengendes Gefühl und Magenverstimmungen. Experten raten zudem, den Genuss von koffeinhaltigem Kaffee in der Schwangerschaft zu reduzieren. Die möglichen Auswirkungen auf das Neugeborene, wie Beeinträchtigung des Wachstums oder Beeinflussung des Nervensystems, sind jedoch nur schwer nachzuweisen.

Um auf Nummer sicherzugehen, empfiehlt es sich, auf koffeinfreien Kaffee zurückzugreifen. Dem hartnäckigen Vorurteil, dass es sich bei dem milden Kaffee um keinen richtigen Vertreter des Genussmittels handelt, muss widersprochen werden. Der sorgsame Prozess des Entkoffeinierens wurde seit seiner Erfindung zu Beginn des 20. Jahrhunderts stets verfeinert.

Video „Wieviel Kaffee ist gesund“

Anbruch einer neuen (Kaffee-)Genuss-Ära

Warum der geschmackvollen Bohne das Koffein entzogen wird, ist auf einen Trauerfall in der Familie Roselius zurückzuführen. Ludwig Roselius gilt als Gründer des berühmten Kaffeehauses Kaffee HAG. Nach dem Tod seines Vaters machte es sich der Sohn zur Aufgabe, eine koffeinfreie Variante seines beliebten Kaffees zu produzieren. Er vermutete, dass sein Vater an dem übermäßigen Konsum des Getränkes verstarb. In Salzwasser quollen die gerösteten Kaffeebohnen und wurden anschließend in Benzol eingelegt. Die chemiehaltige Prozedur rief jedoch weitere Probleme hervor, da Benzol nachweislich als Krebserreger eingestuft wurde.

Das Roselius-Verfahren findet aus diesem Grund keine Anwendung mehr in der heutigen Industrie. Der deutlich gesundheitsfreundliche Schweizer-Wasser-Prozess hatte sich für einen gewissen Zeitraum als gängiges Verfahren etabliert. Die Methode stieß bei Lebensmittelexperten allerdings auf harsche Kritik, da sie verschwenderisch und kompliziert in der Umsetzung war. Die Kaffeebohnen wurden durch langes Einlegen in Wasserbassins von ihren Bestandteilen separiert, die vom Wasser aufgenommen wurden. Das neugewonnene Gemisch filterte und trennte man vom Koffein. Erneut wurden die Kaffeebohnen in die koffeinfreie Flüssigkeit eingelegt. Da sich bereits alle wichtigen Kaffeestoffe – außer dem Koffein – im Wasser befanden, entzog man somit den Bohnen nur noch das Koffein. Als Ergebnis blieb das entkoffeinierte und gesundes Naturprodukt zurück.

Zurück zu den Anfängen

Heute werden Kaffeebohnen ähnlich entkoffeiniert, wie es einst Ludwig Roselius tat. Statt Benzol verwenden Röstereien lebensmittelfreundliche Lösungsmittel, die den Kaffeebohnen das Koffein entziehen. Kritische Stimmen werden auch in diesem Zuge noch laut: Welche löslichen Stoffe und Flüssigkeiten verwendet werden, muss den Verbrauchern nicht ausgewiesen werden. Die Zweifel, die in einer ernährungsbewussten Gesellschaft gesät werden, sind berechtigt.

Laut dem europäischen Gesetz, das die Höhe des Koffeins in Getränken regelt, dürfen entsprechende Sorten nur 0,1 Prozent Koffein enthalten. Um diesen Wert zu halten, setzen Röstereien in den meisten Fällen die Arabica Bohnen für ihre Mischungen ein.

Vergleiche für die richtige Koffeinmenge

Wer nicht komplett auf den kleinen Schub verzichten möchte, kann ein gesundes Verhältnis zwischen klassischen Mischungen und koffeinfreien Angeboten finden. Die tägliche Obergrenze, die Ärzte kommunizieren, liegt bei 400 Milligramm Koffein. Zur Orientierung lassen sich folgende Kennzahlen pro 100 Milliliter festhalten:

  • Entkoffeinierter Kaffee enthält 2 ml
  • Schwarzer Tee enthält 20 ml
  • Instant Kaffee enthält 39 ml
  • Filterkaffee enthält 55 ml
  • Espresso enthält 133 ml

Mit dieser Tabelle im Blick oder auch hier kann der eigene Koffeinkonsum rechnerisch kontrolliert werden.

Fotos: Anuja Mary / Elias (Unsplash.com)